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Begleitdiagnostik des Endometriums in der assistierten Reproduktion

Immunhistochemie: CD56 positive uterine NK-Zellen am Zyklustag 25 (Kryostatschnitt, humanes Endometrium).
Durch die Forschungsarbeiten am humanen Endometrium, beginnend am Institut für Anatomie und Reproduktionsbiologie 1993, unter Führung von Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Henning M. Beier, hat Dr. Joachim Alfer intensiv Untersuchungen am humanen Endometrium durchgeführt, deren Ergebnisse sich in den angefügten Publikationen wiederspiegeln. Weiterhin haben langjährige Zusammenarbeiten mit IVF-Zentren im In- und Ausland die Erkenntnisse zur Beurteilung des Endometriums in diesem Bereich erweitert und ihn zu einem wichtigen Partner der kooperierenden Reproduktionsmediziner gemacht. Weiterhin besteht eine Kooperation mit der Frauenklinik an der Universität Erlangen, Leitung Professor Dr. Matthias W. Beckmann, speziell mit dem IVF- und Endokrinologischen Labor unter der Leitung von Professor Dr. Ralf Dittrich.

Für die Entstehung einer Schwangerschaft ist die Interaktion verschiedener Organe bzw. Organsysteme der sog. ´Reproduktiven Achse´ notwendig. Eine Fehlfunktion kann zur Infertilität führen. Man spricht dabei, entsprechend dem Organ, das kausal die Infertilität bedingt, von einem ovariellen, tubaren, cervikalen oder endometrialen Faktor. Das Endometrium, dessen einzige Funktion die Reproduktion ist, steuert die Einnistung des Embryos, weshalb ihr eine besondere Bedeutung im Bereich der in-vitro-Fertilisation (IVF) zukommt. Störungen der komplexen Prozesse der Implantation (Embryo-Maternaler-Crosstalk) können Ursache der weiblichen Infertilität sein. Die Untersuchung endometrialer Gewebeproben im nativen oder stimulierten Zyklus (Kryozyklus), kann relevante Erkenntnisse generieren, die möglicherweise zu einer Änderung der Vorgehensweise in der Therapie führen.

Eigene Analysen haben gezeigt, dass das Endometrium einer Gruppe von infertilen Patientinnen nicht in ein für die Implantation rezeptives Endometrium transformiert (Lit. 3, 11). Offensichtlich liegt ein Maturationsdefekt des Gewebes vor, dessen Ursachen noch nicht geklärt sind. In der Folge kann dies zu einem Implantationsversagen und somit zur Infertilität führen. Es handelt sich in diesen Fällen um den sog. „endometrialen Faktor“, der zur Infertilität führt.

In Zusammenarbeit mit IVF-Zentren zeigte sich jedoch, dass die endometriale Entwicklung innerhalb eines Zyklus, hinsichtlich der Rezeptivität des Endometriums, häufig eine Abweichung vom erwarteten Zyklustag aufweist (bislang unveröffentlichte Daten). Die Gewebeproben werden mittels Pipelle gewonnen.

Aus den vorgenannten Gründen scheint das Endometrium bei der IVF nicht selten eine Art „Black Box“ zu sein, da in der Regel keine Analyse des Gewebes in Bezug auf die Maturation und Rezeptivität im Transferzyklus, oder vorangegangenen Zyklus, durchgeführt wird und somit wichtige Informationen für den adäquaten Zeitpunkt des Embryotransfers nicht vorliegen. Präliminäre Untersuchungen in Zusammenarbeit mit IVF-Kliniken haben bereits ergeben, dass in einzelnen Fällen die histologische Untersuchung bei der Findung des optimalen Transferzeitpunkts einen wesentlichen Beitrag leisten kann.

Bislang wurden endometriale Gewebeproben in der Routineuntersuchung nicht weiter untersucht. Jetzt besteht die Möglichkeit, aus diesen und weiteren zu gewinnenden Proben, zusätzliche Informationen über die Ursache der Infertilität der Patientinnen und über das Implantationsfenster zu erhalten.

Die endometrialen Gewebeproben können aufgrund der heterogenen Problematik der IVF-Patientinnen in Gruppen mit unterschiedlichen Fragestellungen eingeteilt werden.

A)

Analyse der endometrialen Gewebeproben von Patientinnen in der klinischen Routine der IVF (z.B. Hysteroskopie).

Vergleich der endometrialen Entwicklung im nativen Zyklus (z.B. im diagnostischen Zyklus ohne Stimulation) sowohl histomorphologisch als auch auf Rezeptorebene. Erkenntnisse können eventuell zu einer veränderten Vorgehensweise bei der Auswahl des Transferzeitpunktes oder des Transferzyklus ergeben.

B)

Monitoring von nativen und stimulierten Zyklen infertiler Patientinnen mit verzögerter Ovulation bzw. verzögerter Transformation des Endometriums.
Hierbei werden endometriale Biopsien (mittels Pipelle)
a, am Tag 5 (P +5)
b, und Tag 10 (P +10)
nach Ovulation / Progestroneinahme genommen.

Die 2. Entnahme (b) soll dazu dienen, vor Allem diejenigen Patientinnen identifizieren zu können, die eine verzögerte Endometriumsentwicklung aufzeigen. (Am Entnahmetag sollte Progesteron bestimmt werden.)

  1. C)

Untersuchung von Patientinnen mit klinisch fehlendem Aufbau des Endometriums im nativen Zyklus, bei regelrechter Ovulation und adäquatem Hormonlevel.
Monitoring des Zyklus mit Entnahme von Gewebeproben kurz vor der Ovulation sowie am Tag 5 und 10 nach Ovulation wäre optimal.

 

Endometriales Rezeptivitäts-Profil (ERP)

Es handelt sich bei dieser Untersuchung um ein Monitoring des humanen Endometriums innerhalb eines nativen, oder auch artifiziellen Menstruationszyklus.

Es werden endometriale Gewebeproben mittels Pipelle am Tag Ovulation +5 (P+5 = 6. Tag der Progesteroneinnahme) und Ovulation +10 (P+10 = 11. Tag der Progesteroneinnahme) entnommen. Nach Möglichkeit sollten jeweils zwei Gewebeproben von 0,5 cm bis 1 cm Länge gewonnen werden.

Klinische Angaben über den bisherigen Verlauf der Therapie, den derzeitigen Aufbau des Endometriums (z. B. trilaminar Pattern, Höhe des Endometriums in mm, Besonderheiten z. B. Septum) natürlicher oder artifizieller Zyklus usw. sind wesentlich für die Untersuchung und die Auswertung der Ergebnisse.

Die Gewebeproben werden jeweils in Standardfärbung (HE) und Sonderfärbung (PAS) untersucht. Die Datierung des Endometriums erfolgt in einer Kombination der histomorphologischen mit den immunhistochemischen Untersuchungsergebnissen, mittels Nachweis der Östrogen- und Progesteronrezeptoren sowie der Ermittlung des Proliferationsindex durch Ki-67-Nachweis.

Auf Wunsch kann die Anzahl der NK-Zellen pro mm2 immunhistochemisch (CD56) ermittelt und beurteilt werden.
Die Abklärung einer möglichen chronischen Endometritis durch Nachweis von Plasmazellen ist ebenfalls immunhistochemisch (CD138) möglich.
Die Untersuchungen sind IGeL Leistungen und werden daher den Patientinnen privat in Rechnung gestellt.
Ein Formular zur Abrechnung finden Sie unter dem Button Einsender – Formulare zum Download – Abrechnung endometrialer Analysen / ERP Test.

 

 

Eigene Publikationen zur Analyse von Markermolekülen im humanen Endometrium: 

  1. Marker molecules of human endometrial differentiation can be hormonally regulated under in-vitro conditions as in-vivo.
    Classen-Linke I, Alfer J, Hey S, Krusche CA, Kusche M, Beier HM.
    Hum Reprod Update. 1998; 4:539-49. Review.
  1. Expression of uteroglobin in the human endometrium.
    Müller-Schöttle F, Classen-Linke I, Alfer J, Krusche C, Beier-Hellwig K, Sterzik K, Beier HM.
    Mol Hum Reprod. 1999; 5:1155-61.
  1. The endometrium as a novel target for leptin: differences in fertility and subfertility.
    Joachim Alfer, Müller-Schöttle F, Classen-Linke I, von Rango U, Happel L, Beier-Hellwig K, Rath W, Beier HM.
    Hum Reprod 1999, 14 Abstr. Book 1:266-267
  1. Endothelial nitric oxide synthase (ecNOS) is differently expressed in human endometrial vessels during the menstrual cycle.
    Taguchi M, Alfer J, Beier HM, Chwalisz K, Classen-Linke I.
    Mol Hum Reprod. 2000; 6:185-90.
  1. Progestins, progesterone receptor modulators and antagonists change VEGF-release of endometrial cells in culture.
    Classen-Linke I, Alfer J, Krusche CA, Chwalisz K, Rath W, Beier HM.
    Steroids. 2000; 65:763-71.
  1. Interleukin-11 expression: its significance in eutopic and ectopic human implantation.
    von Rango U, Alfer J, Kertschanska S, Kemp B, Müller-Neven G, Heinrich PC, Beier HM, Classen-Linke I.
    Mol Hum Reprod. 2004; 10:783-92. Epub 2004 Oct 1.
  1. Concerted upregulation of CLP36 and smooth muscle actin protein expression in human endometrium during decidualization.
    Miehe U, Neumaier-Wagner P, Kadyrov M, Goyal P, Alfer J, Rath W, Huppertz B.Cells Tissues Organs. 2005; 179:109-14. 
  1. Class I histone deacetylase expression in the human cyclic endometrium and endometrial adenocarcinomas.
    Krusche CA, Vloet AJ, Classen-Linke I, von Rango U, Beier HM, Alfer J.
    Hum Reprod.
    2007; 22:2956-66.
  1. Mammaglobin 1: not only a breast-specific and tumour-specific marker, but also a hormone-responsive endometrial protein.
    Classen-Linke I, Moss S, Gröting K, Beier HM, Alfer J, Krusche CA.
    Histopathology. 2012; 6:955-65.
  1. Differences in regulatory T-cell and dendritic cell pattern in decidual tissue of placenta accreta/increta cases.
    Schwede S, Alfer J, von Rango U.
    Placenta. 2014; 35:378-85.
  1. Insufficient Angiogenesis: Cause of Abnormally Thin Endometrium in Subfertile Patients?
    Alfer J, Happel L, Dittrich R, Beckmann MW, Hartmann A, Gaumann A, Buck VU, Classen-Linke I.
    Geburtshilfe Frauenheilkd. 2017; 77:756-764.